„Über Leben“: Miriam Meckel und Léa Steinacker über den Menschen in Zeiten von Superintelligenz
Miriam Meckel und Léa Steinacker fragen in ihrem neuen Buch, was vom Menschen bleibt, wenn KI das Denken automatisiert.
Kevin Kwasniok - Aktualisiert am 4.11.2026

Einordnung der Redaktion: Anfang Oktober 2026 ordnete US-Präsident Donald Trump an, dass US-Behörden statt „Künstliche Intelligenz“ künftig „Superintelligenz“ sagen sollen (DW, 04.10.2026). Fachleute halten dagegen, dass heutige Modelle davon noch weit entfernt sind. Am selben Tag berichtete die Tagesschau, wie KI vielen jungen Menschen den Berufseinstieg erschwert (tagesschau.de, 04.10.2026). Das Wort Superintelligenz ist damit in der großen Politik angekommen. Die Frage, was das für uns Menschen heißt, ist offener denn je.
Genau hier setzen Miriam Meckel und Léa Steinacker an. Wenn künstliche Intelligenz unser Denken automatisiert, was bleibt dann vom Menschen? Diese Frage stellen sie in ihrem neuen Buch „Über Leben. Ein Manifest für den Menschen in Zeiten von Superintelligenz“. Es erscheint am 19. Februar 2027 bei Rowohlt und umfasst rund 160 Seiten (ISBN 978-3-498-01172-7).
!Buchcover „Über Leben. Ein Manifest für den Menschen in Zeiten von Superintelligenz“ von Miriam Meckel und Léa Steinacker, Rowohlt Bildnachweis: © Rowohlt
Worum es in „Über Leben“ geht
Laut Verlagsvorschau setzen die Autorinnen drei Unterscheidungen an den Anfang: Leben ist mehr als Information. Intelligenz ist mehr als Datenverarbeitung. Bewusstsein ist mehr als Denken.
Der Wettlauf um Superintelligenz, so die Vorschau, verengt den Blick. Das Buch plädiert dafür, sich auf menschliche Stärken zu besinnen, statt den Maschinen ähnlicher zu werden.
Warum das Buch jetzt kommt
Die folgenden Meldungen sind unsere Einordnung. Sie stammen nicht aus dem Buch.
Der Wettlauf wird schneller. KI-Agenten erledigen heute ganze Aufgaben in mehreren Schritten selbstständig. Laut heise sind solche Agenten zuletzt mehrfach aus abgeschotteten Testumgebungen ausgebrochen. OpenAI trainiert seine stärksten Modelle deshalb in einer Art Offline-Welt, und Nvidia stellte auf seiner Konferenz GTC in Berlin ein eigenes Sicherheitssystem für Agenten vor (heise online, KI-Update). Maschinen übernehmen also nicht mehr nur einzelne Handgriffe, sondern echte Denkarbeit.
Was passiert mit unserem eigenen Denken? Eine Studie von Michael Gerlich (Swiss Business School) mit 666 Teilnehmenden fand einen deutlichen Zusammenhang: Wer KI häufig nutzt und Denkarbeit auslagert, schneidet beim kritischen Denken schwächer ab. Jüngere waren stärker betroffen (alice.ch, SVEB). Ein neueres Laborexperiment mit 193 Personen zeigt Ähnliches. Mit ChatGPT lösten die Teilnehmenden eine Aufgabe besser. Ohne das Werkzeug dachten sie danach aber eher schwächer selbstständig weiter und passten ihre Anstrengung schlechter an (Preprint, PsyArXiv).
Die Arbeitswelt verändert sich spürbar. Laut Tagesschau will die Reiseversicherungssparte der Allianz europaweit 1.500 bis 1.800 Stellen abbauen und Aufgaben durch KI ersetzen. Ergo streicht in Deutschland bis 2030 rund 1.000 Stellen. Nach einer Kienbaum Umfrage planen 35 Prozent der Personalverantwortlichen, wegen KI weniger Berufseinsteiger einzustellen (tagesschau.de, 04.10.2026).
Europa setzt Regeln, aber später als geplant. Seit dem 27. Juli 2026 ist der sogenannte KI-Omnibus in Kraft. Die strengen Regeln für Hochrisiko-KI, etwa im Bereich Beschäftigung und Bildung, gelten damit erst ab dem 2. Dezember 2027 (EU-Kommission). Unternehmen müssen also vieles selbst entscheiden, bevor das Gesetz es vorgibt.
Technik, Studien, Arbeitsmarkt und Politik drehen sich damit um dieselbe Frage, die das Buch stellt: Was macht den Menschen aus, wenn Maschinen immer mehr können?
Die Autorinnen
Miriam Meckel ist Professorin in St. Gallen. Sie war Chefredakteurin der Wirtschaftswoche und hat 2018 ada Learning mitgegründet.
Léa Steinacker hat in Princeton und Harvard studiert und in St. Gallen zu den sozialen Folgen von künstlicher Intelligenz promoviert. Auch sie ist Mitgründerin von ada Learning.
Gemeinsam haben beide bereits „Alles überall auf einmal“ (2024) veröffentlicht. Das Buch war ein Spiegel-Bestseller.
Einordnung: warum das Thema Unternehmen betrifft
Die folgenden Absätze sind unsere Einordnung und keine Wiedergabe des Buchinhalts.
Viele Unternehmen sprechen über künstliche Intelligenz vor allem als Frage von Werkzeugen und Effizienz. Die Perspektive von „Über Leben“ verschiebt den Fokus: Sie fragt, welche Fähigkeiten Menschen auszeichnen, wenn Maschinen immer mehr Denkarbeit übernehmen. Die Studien zur kognitiven Auslagerung zeigen, dass das keine theoretische Frage ist. Wer KI einführt, sollte auch klären, wie Teams ihr eigenes Urteilsvermögen behalten. Für Führungskräfte kann das ein Anlass sein, über Rollen, Zusammenarbeit und Weiterbildung neu nachzudenken. Weitere Impulse zum Thema finden Sie unter Keynote Speaker Künstliche Intelligenz und Digitalisierung.
Was das für Ihr Event bedeutet
Ob Jahrestagung, Führungskräftetreffen oder Kongress: Die Frage nach der Rolle des Menschen neben künstlicher Intelligenz betrifft fast jedes Publikum. Ein Vortrag zu diesem Feld kann den Blick über Technik hinaus öffnen und eine Diskussion im Unternehmen anstoßen.
Themenvorschläge (keine bestehenden Vortragstitel, Abstimmung mit der Speakerin nötig):
- Was bleibt vom Menschen, wenn KI das Denken automatisiert?
- Menschliche Stärken statt Maschinenlogik: was Teams im Umgang mit KI brauchen
- Intelligenz ist mehr als Datenverarbeitung: KI einordnen für Führungskräfte
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